Inhaltsstoffe

Inhaltsstoffe und Eigenschaften von H1

Seit 2004 ist Dr. Frank Schulz als Leiter des Entwicklungsbereiches tätig. Das ELKALUB-Journal sprach mit dem promovierten Chemiker über die Formulierung von H1-Schmierstoffen und die Eigenschaften, die mit diesen Schmierstoffen verbunden sind.

Dr. Frank Schulz
Dr. Frank Schulz
Herr Dr. Schulz, können Sie mir aus einem Schmierstoff, den ich seit vielen Jahren einsetze, einen H1-Schmierstoff machen?

Dr. Frank Schulz: Beginnen wir den Gedanken etwas weiter vorne: Was macht einen Schmierstoff aus? Zum einen, das impliziert Ihre Frage, definiert sich ein Schmierstoff über seine Zusammensetzung, das heißt über seine Inhaltsstoffe. Zum anderen, und das lässt Ihre Frage völlig unberücksichtigt, definiert sich ein Schmierstoff über seine Eigenschaften. Dieses zweite Element steht für Kunden von ELKALUB meist im Vordergrund. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich kann die Gebrauchseigenschaften des bisher eingesetzten Schmierstoffs übernehmen und Ihnen einen H1-Schmierstoff entwickeln, der diese Anforderungen erfüllt. Dabei wird sich jedoch die Zusammensetzung des Schmierstoffes ändern.

Wieso das?

Zur Formulierung eines H1-zertifizierbaren Schmierstoffes dürfen Sie nur bestimmte Inhaltsstoffe verwenden. Welche das sind, steht im "White Book ®" der Zertifizierungsstelle NSF. Weiterhin müssen die Inhaltsstoffe Regularien entsprechen, die in bestimmten Paragraphen des Code of Federal Regulations (CFR) aufgelistet sind. Auf jeden Fall haben Sie als Entwickler eine deutlich geringere Auswahl an Inhaltsstoffen als bei der Formulierung eines konventionellen Schmierstoffes. Zwei Eckpunkte: Die NSF schreibt vor, dass ein H1-Schmierstoff nur bestimmte Grundöle enthalten darf. Dazu zählen u. a. medizinische Weißöle oder synthetische Öle wie Polyalphaolefine (PAO), Silikonöle und Polyalkylenglykole. Das ist chemisch kein Problem, macht den Schmierstoff aber im Ergebnis etwas teurer. Aber: Bei den Verdickern und den Additiven sieht die NSF Mengenbeschränkungen vor. Der zulässige Anteil an Additiven ist meist auf 0,5 % beschränkt. Und gerade die Additive sorgen für die – ich nenne es einmal Feineinstellung des Schmierstoffes. Hierüber steuern wir Eigenschaften wie die Oxidationsbeständigkeit, also wie schnell der Schmierstoff altert, die Korrosionsschutzeigenschaften, den Beitrag des Schmierstoffes zum Verschleißschutz oder seine Fähigkeit zur Deaktivierung von Buntmetallen.

Kann ein H1-Schmierstoff das gleiche leisten wie ein konventioneller Schmierstoff?

Gegenfrage: Was nutzt Ihnen der Formel 1-Rennwagen, wenn Sie zum Einkaufen fahren möchten? Was ich damit meine: Ein H1-Schmierstoff wird für bestimmte Anwendungsfälle entsprechend einem Lastenheft entwickelt. Bevor ELKALUB diesen Schmierstoff anbietet, muss er verschiedene Prüfungen erfolgreich absolvieren (Anm. der Redaktion: FE8, FE9, FZG usw.).

Können Sie konkrete Produktbeispiele nennen?

Nehmen wir zum Beispiel unsere H1-Öle der Reihe LFC 34000, die wir im Jahr 2009 entwickelt haben (Anm. der Redaktion: Öle dieser Reihe werden bspw. bei Bromberger Packungen eingesetzt). Sie erfüllen den FE8-Test der Wälzlagerhersteller bei 80 °C sowie den Sondertest bei 40 °C. Der Sondertest wird von den Wälzlagerherstellern gefordert, weil diese Temperatur derjenigen entspricht, die in der Praxis auftritt. Um Ihre Frage nach der Leistungsfähigkeit nochmals anders zu beantworten: Sie können einen Schmierstoff so formulieren, dass er nach H1 zertifizierbar ist und die gestellten technischen Anforderungen erfüllt.

Sind H1-Schmierstoffe aufwändiger zu entwickeln?

Ganz klar: Ja. Wir haben eine geringere Auswahl bei den zulässigen Inhaltsstoffen und sind gleichzeitig in der Menge beschränkt. Das führt beispielsweise zu Problemen beim Einsatz der Verdicker, da Sie nur gewisse Mengen einsetzen dürfen, die aber manchmal nicht ausreichen, um ein Produkt in der gewünschten Konsistenz herzustellen. Hier sind Gespür für die Anwendung und vor allem Erfahrung gefragt.

Spiegelt sich das im Preis wider?

Als Anbieter von Hochleistungs-Schmierstoffen stellt ELKALUB hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit seiner Produkte. Das gilt sowohl für konventionelle, als auch für H1-Schmierstoffe . Auf jeden Fall sind die eingesetzten Grundmaterialien im Einkauf teurer. Als Richtwert können Sie von einem Faktor zwei bis vier, bei speziellen Ölen auch deutlich darüber, ausgehen. Nicht zu vernachlässigen sind zudem der Aufwand und die Kosten für die Zertifizierungen und die jährlichen Gebühren, die ELKALUB an die NSF zu entrichten hat.

Warum der Verzicht auf Mineralöle?

In den Grundölen von H1-Schmierstoffen dürfen keine aromatischen Kohlenwasserstoffe enthalten sein. Hintergrund sind unter anderem Farb- und Geruchsneutralität, aber auch die potentielle Gefahr, die von Aromaten ausgeht. Das macht ja auch Sinn, schließlich sprechen wir über Schmierstoffe, die in Kleinstmengen mit Lebensmitteln und Kosmetika in Kontakt kommen können.

Ein Blick in die Zukunft: Wird es in absehbarer Zeit von ELKALUB nur noch H1-Schmierstoffe geben?

Fragen wir uns doch, warum H1-Schmierstoffe überhaupt so im Trend liegen. Die Antwort lautet: Sicherheit. Vor dem Hintergrund kleinerer und größerer Lebensmittelskandale in den vergangenen Jahren versucht jeder Hersteller, sein Risiko zu reduzieren. Jede mögliche Quelle zur Verunreinigung seines Produktes möchte er ausschließen. Hier ist der Einsatz von H1-Schmierstoffen unumgänglich. Konsequent wird ELKALUB für alle möglichen Bereiche H1-Schmierstoffe anbieten. Selbst wenn ein Schmierstoff im Unternehmen unmöglich mit dem Produkt in Kontakt kommen kann, bieten wir dem Hersteller die Möglichkeit, ein H1-Produkt einzusetzen. Warum? Wird ein Schmierstoff verwechselt, verwendet der Monteur trotzdem einen H1-Schmierstoff und für den Verbraucher besteht somit keine Gefahr. Es kann also nichts passieren.

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